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Mehr Bewegung für Kinder und Jugendliche: Was Eltern tun können

Es scheint ein Trend zu sein: Kinder und Jugendliche treiben immer weniger Sport, bewegen sich immer weniger. Stattdessen sitzen sie den ganzen Tag, in der Schule, im Schulbus, vor dem Fernseher, vor dem Computer. Eltern und andere Erwachsene haben den Eindruck, dass sie früher als Kinder fitter waren. Das Problem beim Vergleich mit früher ist allerdings, dass diese Dinge erst gemessen und untersucht werden, seit man hier Veränderungen vermutet. Der subjektive Eindruck, dass früher alles besser war, muss also nicht unbedingt stimmen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) untersucht in der KiGGs-Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland unter anderem die Frage, wieviel Sport heutige Kinder und Jugendliche machen, wieviel sie sich bewegen. Die Ergebnisse zeigen, dass man kaum pauschale Aussagen machen kann, dass man vielmehr differenziert genauer hingucken muss.

Kinder bis zu 10 Jahren machen mehr Sport, bewegen sich mehr, je älter sie werden. Bei Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren kehrt sich dieser Trend um. Bei den Kindern machen Mädchen und Jungen ungefähr gleich viel Sport, bei den Jugendlichen sind die Jungen sehr viel aktiver als die Mädchen. Bei allen scheint es Gruppen zu geben, die (fast) überhaupt keinen Sport treiben. Diese Gruppe ist bei den Mädchen größer als bei den Jungen, und sie hängt mit dem Einkommen und dem Bildungsstand der Eltern zusammen. Vor allem Mädchen aus Migratenfamilien mit geringem Einkommen und niedrigem Bildungsstand treiben fast überhaupt keinen Sport.

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Es gibt also viele Kinder und Jugendliche, die sich genug bis reichlich bewegen. Und es gibt eine recht große Gruppe, die sich viel zuwenig bis garnicht bewegt. Im Durchschnitt haben Kinder und Jugendliche tatsächlich viel zuwenig Bewegung, aber eben nicht alle. Es trifft wohl tatsächlich nur auf etwa ein Drittel zu.

Wie kann man nun dieses Drittel an Bewegungsmuffeln erreichen, wie sie dazu bewegen, sich mehr zu bewegen?

Bewegungsmuffel

Kinder und Jugendliche, die sportlich aktiv sind, sind dies heute hauptsächlich im Sportverein. Sport und Bewegung ganz informell, vor der Haustür, als Teil des Alltags, wie es die Elterngeneration noch ganz selbstverständlich praktiziert hat, ist heute weitgehend unbekannt. Da verwundert es nicht, dass die sportliche Aktivität geringer ausfällt, wenn die Eltern nur ein kleines Einkommen haben. Als Abhilfe wird der Bau von Fußballplätzen und Skateanlagen in den Städten und Gemeinden empfohlen. Diese werden allerdings hauptsächlich von den Jungen genutzt, weniger von den Mädchen. Es verwundert also nicht, dass diese seltener Angebote finden, die zu ihnen passen.

Daneben gibt es natürlich immer wieder Forderungen nach mehr und besserem Schulsport. Während sich die Qualität des Sportunterrichts in den letzten Jahrzehnten wohl verbessert hat, sind dem Umfang doch im Allgemeinen Grenzen gesetzt. Zu vielfältig ist der Bildungsauftrag der Schulen. Immerhin sorgt der Schulsport dafür, dass (fast) kein Kind völlig bewegungslos durch seine Schulzeit geht.

Aber für eine gesunde Entwicklung ist es notwendig, dass die Kinder und Jugendlichen auch einen Teil ihrer Freizeit mit Sport und Bewegung verbringen. Ganz viele tun das freiwillig und gerne. Ein großer Teil der Angebote der Sportvereine richtet sich an Kinder und Jugendliche. Woran es liegt, dass die Zahl der Mädchen, die Mitglied eines Sportvereins sind, zwischen dem Alter von 11 und 17 Jahren so stark sinkt, ist noch nicht vollständig geklärt. Die Jungen bleiben im Durchschnitt, wenn sie als Kind schon im Verein waren, auch dabei.

Um auch die Mädchen zum Sporttreiben zu motivieren, reicht es also nicht aus, noch einen Bolzplatz zu bauen, oder auf die Sportvereine zu verweisen.

Auch kommerzielle Angebote, die durchaus zum Sporttreiben motivieren können, wenden sich häufiger an Jungen als an Mädchen. In vielen Fällen zeigen sie auf dem Titel, auf Fotos fast nur männliche Gesichter, berichten fast nur über männliche Sportmannschaften. Sie richten sich an männliche Jugendliche, entsprechende Angebote für Mädchen und weibliche Jugendliche sucht man vergeblich. Dabei motiviert die Orientierung an Idolen, an erfolgreichen Sportlern die Jugendlichen tatsächlich dazu, sich selbst auch in den entsprechenden Sportarten zu versuchen, selbst auch entsprechende Leistungen zu erbringen.

Wunsch und Wirklichkeit

Wenn man Kinder und Jugendliche fragt, was sie in ihrer Freizeit gerne machen möchten, so antwortet eine große Mehrheit, dass sie gerne (mehr) Sport machen möchte. Es mangelt also weniger an der Motivation, zumindest bei ganz vielen. Tatsächlich machen viele weniger Sport, als sie gerne machen würden.

Wenn man sie fragt, ob sie glauben, dass sie sportlich fit sind, dann sind vor allem die Jungen davon überzeugt. Mädchen unterschätzen ihre Leistungsfähigkeit eher. Objektive Leistungstests zeigen allerdings eine eher geringe Fitness, verglichen mit der Leistungsfähigkeit früherer Schülergenerationen. Es wäre also tatsächlich eine gute Idee, wenn der Wunsch nach mehr sportlicher Betätigung häufiger realisiert werden würde.

Vorbilder und Möglichkeiten

Kleine Kinder bewegen sich einfach, weil es Ihnen Spaß macht, sie sind noch nicht leistungsorientiert, haben auch keine Versagensangst, es ist ihnen auch nicht peinlich, wenn sie etwas noch nicht können. Kleine Kinder brauchen also im Grunde nur die Möglichkeit, sich zu bewegen. Es reicht im Grunde aus, sie nicht davon abzuhalten, sie nicht überzubehüten, ihnen das Toben zu erlauben. Sport im Sportverein , mit möglichst breiter Förderung ist natürlich trotzdem eine gute Sache. Wenn ein kleines Kind die Möglichkeit zur Bewegung hat und sie nicht nutzt, dann sollte man gucken, woran es liegt, unter Umständen auch den Kinderarzt zu Rate ziehen. Normalerweise leben die Kinder ihren natürlichen Bewegungsdrang ganz von selbst aus.

Wenn das Fernsehprogramm vorgezogen wird, so liegt das oft weniger an der Entscheidung der Kinder selbst, als am Vorbild oder auch der Bequemlichkeit der Erwachsenen.

Je älter die Kinder werden, umso stärker orientieren sie sich an Vorbildern und Rollenmodellen. Eltern haben nur begrenzt Einfluss darauf, wen sich ihre Kinder zum Vorbild nehmen. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Kinder und Jugendliche, die sich Sportler zum Vorbild nehmen, selbst auch sportlich aktiv sein werden. Es braucht also ein Angebot an geeigneten Vorbildern. Leider wird in den Medien immer noch hauptsächlich über Fußball, und dabei natürlich vor allem über Männer-Fußball, berichtet. Auch wenn es inzwischen Frauenfußball gibt (und viele andere Sportarten, in denen Frauen erfolgreich sind), so wird doch im Allgemeinen nur am Rande darüber berichtet. Den Mädchen und jungen Frauen fehlt es also an geeigneten Vorbildern, auch wenn hier ein langsamer Veränderungsprozess stattzufinden scheint.

Daneben gibt es durchaus auch eine Vorbildwirkung der Eltern. Eltern, die ihre Freizeit vor dem Fernseher, auf dem Sofa verbringen, haben vermutlich Kinder, die das gleiche tun. Eltern die sportlich aktiv sind, haben mit höherer Wahrscheinlichkeit auch sportlich aktive Kinder. Die besten Chancen auf eine sportlich aktive Zukunft haben wohl Kinder, die sozusagen im Sportverein aufwachsen, nach Möglichkeit mit einer breiten Auswahl an Sportarten. Dort finden sich dann oft auch die entsprechenden Vorbilder.

Was können Eltern tun?

Das wichtigste, was Eltern tun können, ist selbst aktiv zu werden. Sich selbst zu bewegen, Sport zu treiben. Also einfach ein Vorbild zu sein.

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Da ergibt es sich dann fast automatisch, dass man auch mit den Kindern zusammen Sport macht, sich gemeinsam bewegt. Es muss garnicht immer eine durchgeplante Aktion sein, es ist oft viel besser, wenn man ganz spontan mal mit den Kleinen um die Wette rennt, mal gemeinsam Purzelbäume macht oder sich eine Kissenschlacht liefert. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Mit älteren Kindern kann man zum Beispiel Radtouren oder Wanderungen unternehmen. Auch der gemeinsame Besuch von Sportveranstaltungen, auch wenn es nur als Zuschauer ist, trägt dazu bei, dass der Sport als selbstverständlicher Bestandteil des Lebens angesehen wird. Je jünger die Kinder sind, umso eher sind sie geneigt, an solchen gemeinsamen Aktivitäten teilzunehmen. Auch wenn dann in der Pubertät die Bereitschaft nachlässt, ihre Freizeit mit den Eltern zu verbringen, so wirkt die Gewohnheit, sich am Wochenende sportlich zu betätigen, doch nach.

Wenn Kinder und Jugendliche weniger Sport machen als sie gerne machen würden, so ist oft auch Termindruck der Grund dafür. Viele Kinder haben heute schon durchgeplante Terminkalender, die Anforderungen, die die Schule stellt, sind hoch. Bevor man jetzt als Eltern noch mehr Schulaufgaben, noch mehr Lernen fordert, sollte man vielleicht auch den Zusammenhang bedenken, dass sportlich aktive Kinder die besseren schulischen Leistungen abliefern.

Wenn Schulsport der einzige Sport ist, ist das für Kinder und Jugendliche im Allgemeinen zu wenig. Die meisten Kinder haben Spaß am Schulsport, aber eben nicht alle. Wenn das eigene Kind am Schulsport keinen Spaß hat, oder ihn sogar ganz furchtbar findet, dann ist die Motivation natürlich gering, sich in der Freizeit noch mehr davon anzutun. Im Schulsport haben viele Kinder ihre Erfolgserlebnisse, auch indem sie zeigen können, dass sie manches besser können als andere. Da kommt es vor, dass zuwenig auf diejenigen geachtet wird, die die weniger guten Leistungen bringen. Für die ist es dann frustrierend, dadurch engagieren sie sich weniger, ihre Leistung wird noch schlechter, undsoweiter. Auch wenn es eigentlich nicht so sehr um die Leistung, mehr um die Bewegung an sich gehen sollte, so ist der demotivierende Effekt doch nicht zu übersehen.

Auch wenn guter Sportunterricht alle einbezieht, auch die, die sich etwas schwerer tun, so gibt es leider aus den unterschiedlichsten Gründen nicht immer und überall guten Sportunterricht. Eltern können da, zusammen mit dem Sportverein, einen Gegenpol bilden. Indem sie ihren Kindern sportliche Erfolgserlebnisse vermitteln, indem sie auch einfach vermitteln, dass Sport Spaß macht. Sich zu informieren, was alles Sport ist , was es alles für Möglichkeiten gibt, kann ein Anfang sein.

Daneben lohnt eine Beschäftigung mit dem Alltag. Dass Kinder einfach draußen spielen gibt es fast nicht mehr. Aber vielleicht könnte zumindest der Schulweg wieder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. So wie früher, als Beitrag zu mehr Bewegung im Alltag.

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